Sonntag, Oktober 01, 2006

Gone Bush

Ich muss gestehen, ich sehe aus, als hätten man mich gerade leicht verwildert aus einem auf dem Strand geparkten Auto gezogen...

Nachdem mir doch schon fast bewusst geworden ist, dass ich am Donnerstag geregelter Arbeit mit Fremdbestimmung unterworfen sein werde (oh hah, richtiger wäre wohl „ab“ Donnerstag, schreck), musste ich dringend „go bush“ spielen. Erst war ich hier im „Hinterland“ (ich komme echt nicht über den Namen weg…) unterwegs.

Echt schön da, Gum Trees sämtlicher Arten, und ich liebe diese Orte, in denen man stolz den Weg zum business center (sprich Zentrum, mitten drin) ausgeschildert bekommt, man dem Pfeil folgend in kaum gedrosselter Geschwindigkeit an einer Schule, einem Post office, und einem convenience store vorbeirast um sich zwei Minuten später zufragen, warum um alles in der Welt, die Ihr business center so weit außerhalb der Siedlung ansiedeln…

Freitag Mittag in Rainbow Beach angekommen, was zur Cooloola Section des „grand sandy national park“ gehört:

Es gibt hier im Busch oft die „bush campgrounds“, man kauft sich für 4,50 $ eine Genehmigung, befestigt selbige, für den Ranger gut sichtbar außen am Auto und hat sich damit das Recht erkauft, irgendwo unter Eukalyptusbäumen oder Pinien am Strand zu übernachten. Meistens zeichnet sich so ein Camprground auch noch durch das Vorhandensein eines Müllcontainers aus. D.h. alles was ich jetzt nicht aufgezählt habe ist ein Bonus, den es auf dem nur mit 4 WD zugängigem campground nicht gibt. Zum All inclusive Paket gehört aber ein ca. 60 oder 80 km langer Strand, mit traumhaften Wellen, bei dem man durchaus von Überbevölkerung spricht, sobald das Auge mehr als 30 Menschen auf einmal erfasst (und wir haben gerade Schulferien).



Zur abendlichen Unterhaltung werden Meeresrauschen und Millionen von Sternen gereicht, die sich alle komplett Sinn entleert Kopfüber am Firmament platziert haben. Wer schlau genug war den Esky vorher zufüllen, bekommt dazu kaltes Bier oder lecker Shiraz.

Einen feinen Platz, weit weg von allen Anderen, unter den Bäumen ausgesucht, so geparkt, dass mich weder morgens um fünf die Sonne anfängt zu rösten, noch der vom Wasser kommende Wind mich nachts wegweht und auf zum schwimmen und Sunset Spaziergang am Strand, schön…

Nicht ganz weit von mir gab es ein kleines Lagerfeuer und kurz darauf auch die Einladung mich dazu zu gesellen.
John: „I’m a roofa, do you want a beer?”
Ja klar.
Es folgt eine kurzweilige Unterhaltung, im Laufe derer ich herausfinde, dass John irgendwas um 50 ist, Dachdecker war/ist, auf Asbestentfernungen spezialisiert ist,
gerade einen Job auf Fraser Island beendet hat und am nächsten Tag einen in Rainbow Beach hat.

Ich krabbel, nach meinem Zeitverständnis am frühen Abend in mein Auto, lege Almuths tolles Schnappmesser so neben mich, dass ich mich nicht nachts damit selbst umbringe und ramme mir in der ganzen Nacht nur einmal, dafür aber volle Karlotte das Hirn am Gastank ein. Immerhin habe ich am nächsten Morgen nach nur 5 Minuten Suche das Messer wieder gefunden, bis dahin war immerhin das Wasser für Kaffee heiß.

John kam auf dem Weg zur Arbeit auf nen Kaffee vorbei und da er sein Surfboard nicht unbedingt bei der Arbeit brauchte hat er mir angeboten, mir das derweil dazu lassen. Hammer. Danke!

Rashie an Sunblock drauf und ab. Ist doch immer wieder faszinierend wie schön man sich von ein paar Wellen versohlen lassen kann. Sowohl beim rauspaddeln als auch beim wieder reinkommen. Es folgt eine schicke Serie höchst eleganter Abstiege. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, gehockt, gesprungen aber meist geschmissen. Mein absoluter Liebling ist der, der erfolgt sobald man die Welle hat. Um diesen gestreckten Salto mit 3 Meter Brett zu perfektionieren, muss man einfach die Welle so steil nehmen, dass man sich unglaublich fix vom Wellenkamm gen unten beschleunigt darauf achten, dass die Nase des Brettes, sich unten angekommen, umgehend in einem mindestens 45 Gradwinkel unter Wasser begibt, den Rest erledigt die hinterher eilende Welle für einen. Fertig ist der Überschlag...

Bis elf Uhr Morgens war ich stehend k.o., hatte drei Liter Wasser geschluckt, zwei weitere erfolgreich durch meinen Nasal- und Bronchial Trakt gepumpt und einen weiteren Liter inhaliert. Glücklicherweise kam John kurz drauf von der Arbeit zurück um mich zu erlösen.

So ausgeknockt, fand ich es einen hervorragende Idee mein Auto endlich übern Strand zu jagen. Die gerade präsente Flut war da aber leider anderer Meinung.

Dank John habe ich stattdessen eine hervorragende ca. 10 km Sandpiste über Hügel, durch Wald und Busch gefunden und mir vorher erklären lassen, dass man erstmal amtlich Luft aus den Reifen lässt. Auf die konsequent folgende Frage „oh, you haven’t done any 4 wheel driving in this car, have ya?“ Habe ich mit einem Grinsen und „yeah, only got it recently“ geantwortet…

Ab auf, dem Paprika Boy würdigen Track, mein Truck hat großartigst perfomt, ich hatte riesen Spaß, nachher noch müdere Schultern und was ein Anblick plötzlich auf der anderen Seite des Hügels mitten auf dem Strand zu stehen.

Von da noch kurz bis zum perfekten Surfspot über den Strand geheizt und von den Elementen verhauen lassen Teil 2 gespielt. Bei einsetzendem Sonnenuntergang war kurz vor Ebbe und ich konnte den kurzen Weg gen Heimat antreten. Der geht einfach immer gerade aus, links Meer, unter mir mal harter mal weicher Sand, rechts ganz weicher Sand und nach ca. 50 km feinsten Strandrasenens kommt man auch schon an der Fähre an, setzt kurz über, fährt zur Servo pumpt die Reifen auf und ab nach Hause. Kraft und Ausdauer reichten gerade noch zur schnellen Inhalation eines VBs. Glücklich und platt. Was ein Tag.
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4 Comments:

Anonymous Anonym said...

Manche Leute führen ein richtiges scheiß Leben.

9:14 AM  
Blogger Der_grosse_Transzendentale_Steini said...

John hätte dir noch sagen sollen, dass Du auf der falschen Seite im Auto sitzt. Das kann doch kein gutes Handling sein mit Armen und Beinen quer rüber!
Cooles Wochenendprogramm übrigens - Silly im Wunderland...

12:59 PM  
Blogger Bob said...

Boooaaahhhh... Das klingt ja wie Silke im Wunderland. Toll! Spaß deluxe... fein. icke freu mir für dir;)

10:12 AM  
Blogger myglobalsoul said...

Tja, sehr fein war das!
@ Ollili: life's a beach
@ Steini: absolut Paprika Boy würdige Pisten da!
@ Bob: Stimmt war auch echt Wunderland mässig, muss ich wohl nächstes Wochenende mal gucken ob das Wunderland noch da ist...

12:01 AM  

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