Freitag, Dezember 08, 2006

Der Tannenzweig als Staatsfeind

Oh wie schön, in meinem Briefkasten wartet ein Brief von Inky auf mich.

Aber was macht der leicht überdimensionierte, gelbe Aufkleber da schon wieder auf der Rückseite? Die „opened by Australia Post for inspection by Quarantine“ Dinger, sind mir vom letzten Paket und von Heikes Päckchen bekannt.
Na egal, durchs auf- und wieder zumachen, hat der berittenen Bote mal wieder ne Woche länger gebraucht.
Ich würde die Jungs ja gerne mal bei Ihrer Arbeit beobachten, die sind garantiert in fesche Seuchenanzüge inklusive Gasmasken gewandet und finden den lieben langen Tag lang nichts.

Nun, Brief aufgemacht, reingeguckt, nichts von Inky. Nur ein Schreiben vom Department of Agriculture, Fisheries and Forestry: Mitteilung der Beschlagnahmung…
Items in quarantine: Fresh plant material
Units: 1

„…the items are likely to introduce exotic pests or diseases into Australia. Due to specific risks presented by the items sent to you return to sender were not possible. Therefore the items have been seized and have been destroyed.“
Schön in die Röhre geschaut...

Nun weiß ich Bescheid, es war ein Verstoß gegen das Quarantäne Gesetz von 1908. Und das kam so:

Anno 1958 hat ein gelangweilter Engländer in Victoria, 24 Hasen aus England importiert damit er von seiner Veranda aus was zu schießen hat. Zum Zeitvertreib. Für den guten Mann war es offensichtlich ein absolutes Novum, dass der Hase an sich, sich gerne mit der Häsin an sich, vermehrt. Sonst hätte er sie wohl kaum einfach freigelassen, zumal sich in Millionen Jahren purer Isolation, in Australien kein Raubtier, Parasit oder Virus entwickelt hat, dass einem Hasen auch nur ansatzweise gefährlich werden könnte, geschweige denn sich von selbigen ernähren würde. Thomas Austin kam mit der Schiesserei nicht nach und 20 Jahre später hatten die Urenkel seiner Hasen 2 Millionen Hektar kahl gefressen. Die sind schlicht weiter nach NSW und South Australia gewandert und haben auch dort nicht nur dem Emu Busch, der ca. 2 Meter hoch wuchs und fast das ganze Jahr über blühte, den Garaus gemacht. Heute irgendwie unvorstellbar, dass dort wirklich mal etwas gewachsen sein soll.

Als Nachschlag gab’s dann noch ne lange Dürreperiode und mangels der vorher vorhandenen Vegetation, ist das bisschen nährstoffreiche Erde einfach auf Nimmer Wiedersehen ins Meer geweht. Das allein wär ja schlimm genug, aber auch andere Tiere ernähren sich von Grünzeug und weil da nichts mehr war sind in einem Jahr allein, mal eben 16 Millionen Schafe in die ewigen Schafgründe gezogen. Anstatt es ihnen gleich zu tun, sind die Hasen einfach weitergehoppelt und mittlerweile kann ich jeden verstehen, der nicht für einen der über 300 Millionen Hasen bremst. Und all das, weil ein einziger Typ keinen Bock auf Tontauben hatte…
Von diesen schön beschmierten Geschichten gibt’s mehrere und so macht das Quarantäne Gesetz irgendwie schon wieder Sinn.

Denselben Hintergrund, hat auch das absolute Bananenimport Verbot, denn da wohnen gerne Fruchtfliegen drin. Nachdem Hurricane Larry hier fast alle Bananenplantagen flach gelegt hat, werden wohl noch 5 Jahre vergehen, bis der durchschnittliche Bananenpreis wieder unter die $ 12,99 Marke rutscht. Wo abgebissen wird, ist also immer noch Osten…

1 Comments:

Blogger Der_grosse_Transzendentale_Steini said...

Och, und die arme Inky hat nächtelang Kastanienmännchen für dich gebastelt und sind sie alle tot. Dabei war kein einziges Kastanienweibchen dabei!

2:54 PM  

Kommentar veröffentlichen

<< Home