Cooroy and Cricket


Dörfer wie Cooroy haben, mit ihren Holzhäusern und überdachten Bürgersteigen an ziemlich leeren Strassen, immer noch diesen tollen wilder Westen Scharm. Der Eindruck verstärkt sich irgendiwe dadurch, dass es langsam Sommer und lecker warm wird.
Die Straßenschilder sehen hier lustigerweise gerne so aus, als seien sie aus den 50ern ohne Umwege an irgendeinen verlassen Ort in der Pampa gebeamt worden. Oder kennt Ihr Kinder die kurze Hosen und Halbschuhe tragend, von ihren großen Schwestern im Schürzenkleidchen, über die Strasse gezerrt werden?
Die Radiosender assimilieren sich mit ihrem musikalischen Potpourri entsprechend, nicht immer angenehm aber doch sehr passend.
Es sei denn es läuft mal wieder Cricket. Dabei habe ich festgestellt, dass es etwas ausgesprochenes Beruhigendes hat, jemandem zuzuhören, dessen Sprache man zwar mächtig ist, dessen Worte sich offensichtlich zu Sätzen formen und die doch gar keinen Sinn ergeben. Toll, sehr meditativ, prust.
Also, the (!) Cricket, läuft seit dem 23. November dauernd, denn „The Ashes“ finden zweimal im Jahr statt und für gewöhnlich schlägt Australien England 273 to 5 over 265, oder so…Normalerweise dauert ein Spiel 5 Tage und die Serie besteht aus 5 Spielen, oder so.
Ich glaube, Australien führt gerade, was aber bei Kommentaren wie: ‘The innings takes his season tally to 478 runs at an imposing average of 59.75 that is even more impressive when you consider he is still learning to be an opening batsman.” Wow! Echt? Ich bin total beeindruckt…
Nun wat ise ne Cricket? Jawoll ein Insekt, aber auch eine Sportart bei der die Zuschauer genauso viele Kalorien verbrennen wie die Spieler, bzw. mehr wenn erstere halbwegs unruhig sind. Außerdem ist es wohl der einzige Wettkampf weltweit, bei dem man inklusive der Kopfbedeckung komplett in weiß gekleidet aufläuft und nach dem Spiel weder schmutziger noch schwitziger ist als vor dem Spiel. Außer vielleicht Wettbacken…
Der Grundaufbau ist recht einfach: Der Werfer holt sich nach jedem Wurf, den Ball persönlich beim Fänger ab und schleicht gelassenen Schrittes hinaus in die Mitte des Spielfelds. Dort angekommen, verschnauft er zunächst und nach einer Minute der Sammlung, dreht er sich hektisch um, rast volle Kanne los und schleudert den Ball einem Mann vor die Füße, der einen Reiterhelm trägt und Handschuhe, die zur Handhabung von radioaktivem Material geeignet sind. Selbiger versucht wahlweise den Ball zu schlagen oder ihm sehr Mädchenhaft auszuweichen. „Huuuch“. Falls er es nicht schafft, den Ball so zu schlagen, dass es ihn ermutigt 20 Meter, mit den beiden kleinen Matratzen an seinen Schienenbeinen zu watscheln, bleibt er einfach stehen. In der Regel steht er dort den ganzen Tag. Sollte er durch ein Wunder (bzw. Schlafanfall) doch mal daneben schlagen und somit ausscheiden, werfen die Feldspieler ihre Arme in die Höhe, fallen sich gegenseitig um den Hals und alle verlassen fröhlich das Feld zum Lunch um sich auf das nächste schwere Spiel vorzubereiten.
Das Ganze geht wahrscheinlich noch so lange bis einer ein welkes Blatt aufhebt und feststellt, dass es Herbst geworden ist…
Besonders faszinierend finde ich, dass in einem Land normalerweise nur Sport als solcher durchgeht, wenn man wenig an hat und die Wahrscheinlichkeit groß ist sich zumindest eine blutende Nase zu holen. Sollten über Nacht alle anderen Cricket spielenden Nationen aussterben und so folglich den Australiern das Oval überlassen, würden sie spätestens in der nächsten Saison äußerst knappe Shorts tragen und sich mit den Schlägern verhauen. Dann wäre es ein weitaus interessanteres Spiel…

2 Comments:
Pruust. Cricket scheint dich echt zu faszinieren, ich merk das schon. Mich würde mal die Historie dieses schwulen Volkssport interessieren. Wer denkt sich so einen Schwachsinn aus? Haben die Engländer Queen Victoria beim Häkeln zugeguckt und daraus die Spielzüge entwickelt?
Lach! Ich versuche echt herauszufinden warum Millionen Menschen das offensichtlich wirklich spannend finden und begreife es einfach nicht.
Ich bin aber ueberzeugt, dass die Englaender das aus 2 Gruenden erfunden haben:
a) im Vergleich versprueht jede andere Aktivitaet lebendigste Aktivitaet...
b) stoert in den Kolonien nicht wirklich beim Gin and Tonic schluerfen und der Zutritt zum gentlemen club ist auch ohne laestiges Duschen oder Umziehen geebnet.
Aktuell stehts uebrigens so:
"Shane Warne took four wickets in the second innings to take his Test career total to 699 scalps."
scalps? Indianer?
"Kevin Pietersen was the last man standing on 59 and Andrew Flintoff hit a 64-ball 51."
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