Montag, April 23, 2007

Wahltag

Meine erste australische Wahl. Die 6.577 Stimmberechtigten in Division 4 (die Ecke Sunshine, Sunrise, Castaways und Peregian) wählen aus 11 Kandidaten auf dem Silber Tablett ihren neuen Abgeordneten.

Nicht dass ich haette mitwählen dürfen aber Mitwahlhelfen ist okay und die Tagesgage sollte für nen Wetsuit reichen. Also habe ich Samstag mal ne halbe Tuete Clowns gefruehstueckt, einen Eimer gute Laune mit Motivation hinterher gekippt und festgestellt: es gibt kaum ein bessere Möglichkeit soziologische, psychologische und demograpische Experimente ueber den eigenen Ort anzustellen als in einem Raum Zeitkontinuum mit Pflichtwahl. Oder aufm Flohmarkt, aber bleiben wir beim Thema.

Genau, also wählen ist Pflicht und wer nicht wählt riskiert nen Ticket von $75. Bei kleineren Wahlen wird das eher gar nicht verfolgt, auf state oder federal Ebene wird’s garantiert teurer.

Für alle die geplagten Pflichtwähler ohne Ahnung dafür mit Entscheidungsschwäche, haben sich alle Kandidaten zusammengeschlossen und gemeinsam einen feinen Spiessrutenlauf im langen Gang zur Wahlstelle gebastelt. Ohne eine Chance auszubrechen kann das Opfer hier mit Promo Material und flotten Spruechen bombardiert werden.
Aber stopp! Nur b
is zu einer, im Abstand von exakt 6 Metern zum Eingang aufgeklebten Linie. Näher darf kein Kandidat ran. Der arme Wähler darf ja nicht manipuliert werden.

Es folgt eine an sich simple Wahprozedur, wer auf der vor 6 Wochen gedruckten Liste ist, kann, darf, muss seine Stimme abgeben. Wer vor 4 Wochen hergezogen ist, ist in erster Linie mal verwirrt, weil er korrekterweise annimmt mitspielen zu muessen. Aber nein, die Liste ist ja alt, hehe. Sagen wir aber keinem. Hehe.
Was zu großartigen Situation führt: Erna hat sich mit letzter Kraft zum Ort des Wahlgeschehens durchgeschlagen, nach mehr oder weniger ausgiebigem Studium des Materials, benötigt sie weitere 4,8 Minuten um ihre Kandidaten nach Reihenfolge zu sortieren. Da keine beispielhaften „wie fülle ich meinen Lottoschein korrekt aus“ Zettel ausgehängt sind, versieht sie, nach weiterem zähen Ringen, ihren Stimmzettel mit den Ziffern 1-11. Super Erna, leider ungültig.

Praktischerweise gibt es 2 Orte zur Stimmabgabe wobei an beiden Stellen zeitgleich ca. Je 10 Exemplare der selben Namenslisten genutzt werden. Hab ich genauso wenig verstanden, dass man natürlich keinen Ausweis mitbringen muss. Letzteres würde ja auch das stylische Gesamtbild zerstoeren. Barfuss mit Handtuch um die Huefte zur Wahl okay, aber mit Ausweis in der Hand? Also, bitte!

Da man aber als Wahlhelfer Jeden fragen muss: „haben sie in der heutigen Wahl schon ihre Stimme abgegeben?“ ist jegliche Manipulation, mehrfache Stimmabgabe oder unberechtigtes Wählen absolut ausgeschlossen.

4 Comments:

Blogger mac said...

nee, is klar...

9:49 PM  
Blogger travelling_deer said...

Zwangsdemokratie sozusagen. Wenn du nicht wählst gibts Haue. Aber uns ist egal wie du wählst ob doppelt, dreifach oder falsch. Hauptsache Wahlrecht (-pflicht). Ob das den alten Griechen recht wäre?

11:27 AM  
Anonymous Anonym said...

ole said...
hmm, wie waere in deutschland wohl das wahlergebnis, wenn zb ne bundestagswahl ne pflichtveranstaltung waere...
autsch, vielleicht denke ich diesen gedanken lieber nicht zuende...

1:35 PM  
Blogger myglobalsoul said...

Da stand ich dann doch auch ineterssiert kopfschuettelnd daneben. Die Moeglichkeit ungueltige Zettel abzugeben wurde auch fein genutzt. Und interessanter Weise ist das Wahlergebniss echt okay: Z.B. hat der totale Vollidiot unter den Kandidaten satte 36 Stimmen bekommen.

1:59 AM  

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